Fragen & Antworten


Für wen ist die Läbesschuel?

Die Läbesschuel richtet sich an alle Kinder und Jugendliche von der 1. bis zur 9. Klasse. Begleitet werden die Schüler/ innen jeweils von einer ausgebildeten Primar- und einer Sekundarlehrperson, sowie weiteren erwachsenen Begleitpersonen.

Da wir sehr individuell arbeiten, ist es auf Anfrage hin eventuell im begrenzten Rahmen möglich, Kinder mit besonderen Bedürfnissen aufzunehmen.


Ist die Läbesschuel eine offiziell anerkannte Schule?

Ja, Ihr Kind verbringt bei uns wie in jeder anderen Schule die obligatorische Schulzeit. Seit Mai 2016 liegt die provisorische Bewilligung von seiten des Regierungsrates vor; die Läbesschuel wird im Sommer 2016 starten und ist eine vollwertige Alternative zur Regelschule. Wir stehen unter der Aufsicht der kantonalen Schulaufsicht, welche uns mindestens einmal jährlich besucht und überprüft. Nach drei Jahren ist es möglich, die definitive Bewilligung zu beantragen.


Was sind die Inhalte der Läbesschuel und dessen pädagogisches Konzept?

siehe Konzept


Wie finanziert sich die Läbesschuel?

Die Läbesschuel ist eine nonprofit Organisation und finanziert sich über den Trägerverein. Als Privatschule fliessen keinerlei Gelder aus öffentlicher Hand. Die Finanzen werden über den Verein Läbesschuel  Steckborn abgewickelt. Einnahmequellen sind einerseits die Schulbeiträge der Eltern, andererseits sind wir auf Ihre Unterstützung als Paten, Gönner, Spender, Sponsor oder Stiftung angewiesen! Siehe Unterstützung


Wie geht es weiter mit meinem Kind nach der Läbesschuel? Wie werden die Jugendlichen auf die Berufswelt und weiterführende Schulen vorbereitet?

Wir begeben uns mit unseren Schüler/innen während der Schulzeit auf eine intensive Entdeckungsreise der individuellen Fähigkeiten und Kompetenzen. Unser schulische Alltag und unser schulisches Umfeld bieten unzählige Möglichkeiten zur praktischen Berufsfindung; in der Werkstatt oder der Schlossküche mit Esssaal, beim Demeter-Bauernhof, am See, im Wald, im Permakulturgarten, im Waldkindergarten und im Seminarbetrieb begegnen uns die verschiedensten Bereiche der Berufswelt. Wo immer gewünscht, werden wir einen direkten Austausch, sowie direkte Erfahrungen in Form von Schnupperlehren und Praktikas in den verschiedenen Arbeitsfeldern auch ausserhalb Glariseggs in der Region ermöglichen. So können die Jugendlichen verschiedenste Arbeitsmethoden, Abläufe, Umgang mit Material, Werkzeug, ihre eigenen Ressourcen, Fähigkeiten und Fertigkeiten hautnah kennen lernen. Mit viel praktischen Inputs und einer sehr individuellen Begleitung unterstützen wir unsere Schüler/innen im Bewerbungsschreiben und üben intensiv die Auftrittskompetenz, das Bewerbungsgespräch und bereiten sie auf ihre persönlichen Zukunftsprojekte, auf ihren persönlichen Berufsalltag, auf eine Lehre oder eine weiterführende Schule vor. Gymyvorbereitung ist selbstverständlich auch möglich. Wir als Lehrerteam bringen in diesem Bereich viel Erfahrung aus unserer mehrjährigen Arbeit an der Berufswahlschule ein. So gewinnen und planen wir gemeinsam langfristige und nachhaltige berufliche Lebensperspektiven.


Ist die Läbesschuel eine antiautoritäre freie Schule, wo es keine fachlichen Vorgaben und Grenzen gibt?

Nein, Kinder und Jugendliche fühlen sich wohl, wenn sie sich innerhalb von sinnvollen und klaren Grenzen frei bewegen können. Um eine entspannte Lernatmosphäre zu gewährleisten, ist es uns wichtig, dass Regeln und Abmachungen auf allen Seiten eingehalten werden.

Wir legen grossen Wert auf bewusste Kommunikation und leben nebst einer liebevollen Autorität eine Kreiskultur, in welcher wir zusammen mit den Kindern und Jugendlichen unsere Regeln und Ziele besprechen.  Wir sprechen den Kindern und Jugendlichen grösstmögliche Autonomie zu, wenn es darum geht, Konflikte untereinander selbstständig zu lösen. Das Lehrer- und Begleitteam sind hierbei sorgfältige Beobachter, jederzeit ansprechbar und greifen ein, wenn die persönlichen Grenzen eines Kindes überschritten werden.

Zusätzlich gibt es in der Läbesschuel grundsätzliche Regeln wie z.B.

  • Die Persönlichkeit und die Grenzen der anderen respektieren wir; wir verletzen einander weder mit Worten, noch mit Taten
  • Wir gehen sorgfältig und respektvoll um mit Menschen, Tieren, Pflanzen und Material
  • Wir respektieren persönliche Ansichten und Meinungen, wie auch Eigentum anderer
  • Unsere Schule ist rauchfrei, drogenfrei und für Handygebrauch werden feste Zeiten vereinbart

Die Läbesschuel hält sich grundsätzlich an den offiziellen Lehrplan Volksschule Thurgau, wobei wir ihn bewusst anders umsetzen als an der Regelschule. Im achten und neunten Schuljahr werden Stellwerktests durchgeführt, wie es auch an der Volksschule üblich ist. Auf Wunsch stellen wir ein offizielles, kantonal anerkanntes Zeugnis aus.

Worin unterscheidet sich die Läbesschuel von anderen Schulen?

Wir lernen aktiv und lebensnah – wir gestalten Alltag und sinnvolles Lernen zusammen mit den Kindern und Jugendlichen in einer familiären Umgebung. Unser Team besteht aus präsenten, inspirierenden und flexiblen Menschen. Durch unsere lebendige und vielfältige Schulkultur wecken wir Fähigkeiten und lassen das kreative Potential unserer Schüler/ innen aufblühen. Herkömmliche Schulfächer verweben sich in Lernlandschaften (inspiriert durch Montessori), freier Projektarbeit, Kreiskultur, authentischer Kommunikation, altersdurchmischten Lerngruppen, geführten Fach- und Projektinputs. Ausserdem im Lernen ausserhalb der Schulräume (Schuel unterwägs), durch viel Bewegung, Lernen in der Natur, im Wald, im Garten, sowie beim gemeinsamen Kochen. Hauptziel unserer Schule ist, Lebenskompetenzen zu erlangen, mit denen sich die Kinder und Jugendlichen selbstbewusst, kreativ und selbstverantwortlich durch ihr Leben bewegen und zu einer nachhaltigen Gesellschaft beitragen können. Uns ist es wichtig, nebst kognitiven Fähigkeiten auch die soziale, die praktische, die kreative, die intuitive, die musische und die emotionale Intelligenz zu wecken und auszubilden. Der Übergang von der Schule in die Berufswelt oder in eine weiterführende Schule wird bei uns sehr umfassend und sorgfältig erarbeitet, geplant und begleitet.

Wir vernetzen sämtliche Schulfächer und vertiefen z.B. draussen im Wald unser mathematisches und geometrisches Wissen anhand eines Baumstrunkes, machen uns Gedanken zu den ökologischen und ökonomischen Aspekten der Waldnutzung weltweit und schnitzen uns schliesslich aus dem Holz einen Teller, aus welchem wir danach unser Mittagessen einnehmen.

In Kochgruppen lernen die Schüler/ innen ihr wöchentliches Budget einzuteilen, Menüs selbstständig zu planen und umzusetzen, vom Einkauf bis hin zum Aufräumen und Putzen der Küche. Die Schüler/ innen werden in die Planung und Umsetzung der Schülerbeete im Permakulturgarten vollumfänglich mit einbezogen. Sie erleben auf dem Demeterbauernhof hautnah bei praktischen Arbeiten im Stall und auf den Feldern den gesamten ökologischen und ökonomischen Kreislauf unserer Landwirtschaft.

Regelmässig gibt es die Möglichkeit mit den Pferden zu sein und sie zu pflegen und gegebenenfalls auch auszureiten.


Eine Gesamtschule von der 1. bis zur 9. Klasse, wie soll das gehen? Altersdurchmischtes Lernen*?

Wir arbeiten an der Läbesschuel im Sinne einer Gesamtschule in altersdurchmischten Lerngruppen. Die Lernorganisation erfolgt unterschiedlich nach Interessen und Themen, nach Anforderungen und Kompetenzstand sowie nach individuell ausdifferenzierten Lehrplanzielen. Die Zusammensetzung der altersdurchmischten Lerngruppen verändert sich jedes Jahr, so dass die älter werdenden Kinder in ihrer Bezugsgruppe andere Rollen einnehmen können und müssen. Die Regeln für das Zusammenleben und das Lernen können somit kontinuierlich weitergegeben werden. Da jedes Jahr nur ein Teil der Gruppe wechselt, ist die Konstanz in der Gruppe höher, weil Regeln und Arbeitsrituale ohne grosse Einführungen von den Ältesten an die Neuen weiter gegeben werden. Dies wirkt sich auf die Beziehungsqualität unter den Schüler/innen und auf das soziale Klima in den Klassen im Allgemeinen positiv aus. Soziales Lernen wird durch vielfältige Rollen angereichert und erlebbar. Für Einzelkinder ist ein Lernen in einer Art «Familienschule» mit vielfältigen Erfahrungen über die Altersgruppe hinweg bereichernd. In altersdurchmischten Klassen öffnet sich der Horizont auf den Schulstoff mehrerer Klassen: Jüngere Kinder sehen und hören am Beispiel der Älteren, was auf sie zukommt. Ältere Kinder erkennen rückblickend ihre Lernfortschritte (vor- und rückgreifendes Lernen). Individuelle Lernwege sind über die eigene Altersstufe hinaus möglich. Bezüglich der Leistungsheterogenität entstehen flexiblere Positionen in der Gesamtgruppe. So kann ein Kind mit Lernschwierigkeiten in Mathematik in der dritten Klasse auch einmal zum Tutor einer «entwicklungsjüngeren» Lernstandsgruppe werden. Dies ermöglicht auch entwicklungsverzögerten Lernenden eigenes Lernen positiver und ressourcenorientierter zu erleben. 
Wissensträger sind neben der Lehrperson auch andere Lernende, Bücher, Zeitschriften, Ton- und Bild-Medien, das Internet, Verwandte, Personen oder Organisationen im Schulumfeld. Zusammenfassend gesagt ist altersdurchmischtes Lernen ein sehr integratives Modell und fördert neben dem „normalen Schullernen“ speziell Kompetenzen in den Bereichen Sozialisation, Selbstständigkeit und vor- und zurückgreifendes Lernen.

*Die folgenden Abschnitte zu AdL wurden aufgrund der Forschungsergebnisse und der Broschüre des Amtes für Volksschule Kanton Thurgau formuliert.

Was, wenn mein Kind wieder in die Volksschule wechseln soll? Ist ein Umstieg in das öffentliche Schulsystem möglich?

Umstiege sind grundsätzlich möglich. Jedoch sollten sie jeweils für das neue Schuljahr langfristig geplant werden.
Die SchülerInnen werden von unseren Pädagogen/innen fachlich und sozial auf den Schulumstieg und die Unterschiede im öffentlichen System auch im Hinblick auf die Leistungsabfragen bestmöglichst vorbereitet.

Ein Schulwechsel, egal in welche Richtung (Volksschule-Privatschule und umgekehrt) ist immer eine Herausforderung für das Kind, da das System und die Bezugspersonen sich ändern. Gemäss Erfahrungen von anderen Privatschulen ist es förderlich, wenn ein/ e Schüler/ in bei einem Übertritt für die ersten Monate lernzielbefreit wird.


Lernen die Schüler/ innen überhaupt, wenn sie keine Noten bekommen und nicht unter Druck stehen? Haben die Schüler/ innen der Läbesschuel eine vergleichbare Ausbildung wie die Schüler/ innen der Volksschule?

Jedes Kind liebt von Natur und Geburt an das Lernen, denn Lernen ist Leben. Die Motivation zu lernen entsteht, wenn die Lerninhalte einen Sinn ergeben und im besten Fall im richtigen Zeitpunkt an das Kind herangetragen werden. Gemäss Erfahrungen von anderen Privatschulen entsteht in den oberen Klassen oft der Wunsch des Jugendlichen, eine Bewertung seiner Leistungen und Ergebnisse zu haben. Ein Lernen nur für Noten wird bewusst vermieden.

Wenn wir alle zusätzlichen, uns wichtigen Lerninahlte dazu zählen, so kriegen Läbesschuelschüler eine sehr umfassende Ausbildung in sämtlichen Bereichen. Jugendliche, welche am Ende der Läbesschuel stehen, kennen sich selber mit Stärken und Schwächen; wissen was Lernen ist; sind auf eine weiterführende Schule oder Lehre vorbereitet und wissen, wie sie sich fehlende Fertigkeiten und Fähigkeiten aneignen können; sie haben eine zusammenhängende und vielfältige Landkarte von ökonomischen, sozialen und ökologischen Aspekten auf diesem Planeten; sie sind lebenstüchtig, offen, flexibel und haben viele Voraussetzungen, die sie für den nächsten Lebensabschnitt brauchen. Wir sind überzeugt davon, dass wir mit unserer Läbesschuel gute Voraussetzungen schaffen, den Bildungsauftrag in einem grossen Spektrum zu erfüllen; dass wir den Jugendlichen einen guten Start in die Berufswelt ebnen und ihnen durch viel lebensechtes Lernen ermöglichen, sich weiterhin gut den Herausforderungen des Lebens zu stellen. Wie schon erwähnt, halten wir uns an den offiziellen Lehrplan Volksschule Thurgau und stehen unter Aufsicht der Schulbehörde des Kantons Thurgau.